Meine Literaturkritiken

Max Frisch: Homo Faber

Dies ist mein Lieblingsroman seit meiner Schulzeit. Wie auch in Goethes Faust wird hier eine Wandlung von Verstandesorientiertheit hin zu Gefühlsorientiertheit beschrieben, der Versuch einer Umkehr von den falschen Werten dieser Gesellschaft und die Suche nach der wahren Identität. Sowohl von daher gesehen als auch von der emotionalen Intensität her ist er vergleichbar mit Ingmar Bergmans Film "Wilde Erdbeeren", der ebenfalls 1957 entstanden ist. Beide Werke enthalten auch die Botschaft, dass es dafür nie zu spät ist. Die Hauptfigur Walter Faber ist Anfang 50, in "Wilde Erdbeeren" ist sie in den Achtzigern.

Wird fortgesetzt...

 

Ingrid Henjes:Kleinstadtabend

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Literaturkritik an "Kleinstadtabend" von Ingrid Henjes

Die Autorin liefert ein Stimmungsbild von Jugendlichen in einer Kleinstadt an einem Sommerabend, welches die für die große Mehrzahl von uns tragische Entfremdung beschreibt, die von einer erbarmungslosen Leistungsgesellschaft ausgeht.

Die ersten Zeilen beschreiben rhythmische Zeitgeber, wie sie seit dem Beginn der Industrialisierung unseren Tagesablauf und unser Bewusstsein beherrschen und dennoch durch ihren Gleichklang noch keine Entfremdung bedeuten müssen, eingebettet in jene archaischen Zeitgeber des Mittelalters, in denen die Menschen noch im Einklang mit sich selbst und der Natur lebten und arbeiteten: Tag und Nacht, Frühling, Sommer und Winter, hier in Gestalt eines lauen Sommerabends. Einer jener modernen Zeitgeber tritt uns in Gestalt der Kirchturmuhr entgegen und stellt damit eine Übergangsform dar, auch dadurch, dass sie, von allen hörbar, Gleichklang unter den sie Hörenden erzeugt, sie zu einer Schicksalsgemeinschaft macht.

Gegen Ende der Kurzgeschichte werden die Attribute der Entfremdung in dichter Folge aufgezählt, brechen herein und zerstören die Schicksalsgemeinschaft und ihre Harmonie.

Ingrid Henjes hat hier das in einem Stimmungsbild verdichtet, was Ethnologen und Soziologen den Übergang von "steady state society" bzw. "shame culture" zu "change oriented system" bzw. "guilt culture" der westlichen Industriegesellschaft nennen.

Freiheit, Glück und Gesundheit werden einem Gesellschaftssystem geopfert, das Profit über alles andere stellt.

Der Text von Ingrid Henjes ist hochaktuell in einer Gesellschaft, deren Wirtschaftssystem immer mehr Ähnlichkeiten mit einer menschlichen Krebserkrankung zeigt. Ebenso wie Adorno und das bemerkenswerte Buch "Die Pflicht zur Faulheit" von Reinhard Klopfleisch stellt sie die Frage, ob dieses Opfer gerechtfertigt ist.

Klaus-Günther Coracino, Berlin, Ostern 2005.

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